Amputation von Gliedmaßen bei Hund und Katze

Wow, Amputation – ein krasser Eingriff und für viele Tierhalter ein unbekanntes oder gefürchtetes Thema. Besonders bei Hunden und Katzen aus dem Tierschutz kommen wir häufig mit Amputationen in Berührung.

Ein gut gelaunter Silken Windsprite mit einem fehlenden Vorderbein im Abendlicht auf einer Straße.

Gründe für eine Amputation

Da das so ein großer Eingriff in das Aussehen und auch die Bewegungsmöglichkeit des Tieres ist, möchte ich zuerst darauf eingehen, warum denn überhaupt eine Gliedmaße amputiert wird. Dafür gibt es mehrere Gründe:

  • ein Osteosarkom (umgangssprachlich Knochenkrebs genannt)
  • ein nicht rückgängig zu machendes Trauma an Knochen und/oder Nerv
  • eine infektiöse Erkrankung an der Gliedmaße

Beim Osteosarkom wird die Amputation durchgeführt, um die verbleibende Lebenszeit des Patienten schmerzfrei zu gestalten. Außerdem wird die Lebenszeit des Patienten um einige Monate verlängert. Wird zudem eine Chemotherapie eingeleitet, kann sich die Lebenszeit des Patienten noch einmal ungefähr verdoppeln.

Bei einem Trauma kann es sich z. B. um eine Trümmerfraktur in Folge eines Unfalls oder um einen Nervenabriss (z. B. des Nervus radialis oder des Plexus brachialis) handeln. Die Amputation ist dann notwendig, wenn:

  • der Chirurg keine operative Behandlung mehr vornehmen kann, um die physiologische Form des Knochens wiederherzustellen oder die Nervenenden zu verbinden
  • die Nervenschädigung auch nicht konservativ durch Vitamingabe und gezielte Physiotherapie behandelt werden kann (z. B. durch einen Nervenabriss im Bereich der Halswirbelsäule)

Im Falle einer traumatischen Verletzung kann das Tier die verletzte Gliedmaße nicht mehr einsetzen. Dadurch kann es zu weiteren Verletzungen durch Unfälle mit dem nicht nutzbaren Bein kommen, weil das Tier z. B. damit nicht mehr auftreten kann und stolpert. Außerdem können Missempfindungen in Bein oder Pfote auftreten, die ein Beknabbern der betroffenen Region auslösen und dadurch die Gliedmaße weiter verletzen.

Eine infektiöse Erkrankung kann beispielsweise ein Abzess in der Pfote oder eine Knochenhautentzündung in Folge einer Operation sein. Auch hier ist die Amputation eine Möglichkeit, dem Tier ein Überleben zu ermöglichen, wenn die Infektion auf medikamentöse Behandlung nicht anspricht.

In allen genannten Fällen bringt die Amputation also eine Schmerz- und Beschwerdefreiheit für das Tier und bedeutet in einigen Fällen sogar das Überleben des Tieres.

Eine getigerte Katze im Garten auf dem Rasen, der ein Hinterbein fehlt.

Welche Arten von Amputationen gibt es?

Grundsätzlich kann man zwischen einer Vorder- und einer Hinterbeinamputation beim Kleintier unterscheiden.

Außerdem spielt die Höhe der Amputation eine Rolle – und zwar wenn es darum geht, dem Tier eine Prothese anzupassen. Dabei ist natürlich ausschlaggebend dafür, wie hoch der Tierarzt oder die Tierärztin das Bein amputiert, auf welcher Höhe des Beines die Erkrankung sitzt. Aus Gesichtspunkten der späteren Prothesenversorgung sollte dabei ein möglichst großer Stumpf übrig bleiben, an dem diese dann befestigt werden kann.

Eine Prothese ist ein künstlicher Ersatz für den fehlenden Teil der Gliedmaße und kann beim Tier nur angepasst werden, wenn mindestens 50 Prozent der Ulna und des Radius am Vorderbein oder am Hinterbein unterhalb des Sprunggelenks amputiert wird.

Amputatierte Tiere haben meist eine bessere Lebensqualität als vorher

In einer Studie zur Akzeptanz von Amputationen bei Heimtieren wird klar, dass viele Besitzer*innen, wenn sie nochmals vor der Entscheidung ständen, eine Amputation vorzunehmen, sich wieder für diesen Eingriff entscheiden würden. Sie berichten allerdings auch davon, dass sie einige Zeit brauchten, um sich an den veränderten Anblick ihres Tieres zu gewöhnen. Einige raten in ihren Antworten deshalb auch dazu, die Gliedmaße möglichst hoch zu amputieren, da dann keine Bewegung eines Stumpfes sichtbar ist. Davon ist allerdings aus medizinisch-orthopädischer Sicht abzuraten, sollte es sich hier nur um Entscheidung aus kosmetischer Sicht handeln. Denn ein größerer Stumpf bietet eine bessere Möglichkeit für eine spätere Prothesenversorgung des Tieres.

Für die Neugierigen unter euch, gibt es hier Näheres zur Studie mit Besitzer*innenbefragung:

„Zur Gliedmaßenamputation bei Hund und Katze: Eine Besitzerbefragung.“ von Werthern, J., C. Horst, und G. Schwartz. Kleintierpraxis 44 (1999): 169-76

Welche Folgen hat die Amputation einer Gliedmaße für das Tier?

Eine Amputation beim vierbeinigen Tier hat zur Folge, dass die anderen drei Beine mehr Gewicht aufnehmen müssen als vorher und die Lage des Schwerpunktes des Tierkörpers sich verändert. Die Vorderbeine des Tieres tragen durch Kopf und Hals einen größeren Teil des Gewichts als die Hinterbeine, die für den Vorschub des gesamten Körpers verantwortlich sind. Selten hadert das Tier mit dieser Veränderung seines Körpers und ist nach kurzer Zeit wieder fidel und unter Umständen besser drauf, weil die Schmerzen nun nicht mehr da sind.

Eine sitzende getigerte Katze mit einem fehlenden Vorderbein

In der Studie von Aniela Fuchs (2014) wird mithilfe eigens dafür trainierten gesunden Beaglen, denen ein Hinterbein hochgebunden wurde, untersucht, welche Auswirkung eine Amputation auf die Gewichtsverteilung und damit Belastung der verbliebenen Gliedmaßen hat. Das Ergebnis: Durch das veränderte Gangbild wird das verbliebene Hinterbein besonders belastet und sollte regelmäßig kontrolliert und durch physiotherapeutische Behandlungen gepflegt werden. Dabei geht es dann vorallem um Muskelpflege durch Massage und eine sanfte Mobilisierung der Gelenke, um den Knorpel gesund zu halten.

Hier gibt es für euch Infos zur Studie über vorübergehend dreibeinige Beagle:

„Computergestützte Ganganalyse bei Hunden ohne und mit simuliertem Verlust der Hintergliedmaße –
Vergleich mit Daten von Amputationspatienten“ von Aniela Fuchs, 2014, Dissertation an der Tierärztlichen Hochschule Hannover.

Unterstützung gibt es für das verbliebene Bein, sowohl für die Vordergliedmaße als auch die Hintergliedmaße, in Form einer Orthese, die die Stabilität des Beines erhöht und damit die Verletzungs- und Überlastungsgefahr für dieses verbleibende Bein verringert. Eine Orthese ist ein orthopädisches Hilfsmittel, das zur Unterstützung von eingeschränkt funktionstüchtigen Körperteilen zum Einsatz gebracht wird. (Zitat der Firma Pfafftier). Diese wird von einem/r tiermedizinischen Orthopädietechniker*in individuell für das jeweilige Tier angefertigt.

Ein auf der Seite liegender Jack Russel Terrier mit einem fehlenden Hinterbein. Vor ihm liegt ein Katzenbaby, das den Kopf auf seinem Kopf legt

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